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Essay von Thomas Wördehoff

Schreib mir das Lied vom Tod

Es führt kein Weg daran vorbei: Ihr Ruf ist noch mieser als miserabel. Normalbürger nehmen sie erst gar nicht wahr, und ernsthafte Leute vom Fach strafen sie bestenfalls mit Verachtung. Sie gilt als schmierig, einfallslos, inhaltsleer und oberflächlich. Achselzuckend wird sie als zwangsläufige Beigabe für sentimentale Banausen hingenommen, ein klebriger Brei für unkritische Geister, die sich gerne manipulieren lassen. »Filmmusik« – das ist mehr Beschimpfung denn Genre.

Unterstellt man einem Komponisten, der, sagen wir, schwelgerische Satz seines neuen Werks erinnere »ein bisschen an Filmmusik«, ist das für einen sensiblen Künstler nicht weniger als ein brutaler Schlag in die kreativen Weichteile. Filmmusik, jenes hohl vor sich hin plappernde Rinnsal, das heimtückisch um unsere Gefühle buhlt, indem es verspricht, die Berge noch blauer, Lippen noch roter und Tränen noch nasser zu machen – Filmmusik ist nicht mehr als ein billiges Surrogat im blühenden Land der echten Tonkunst. Musik – das ist sonnenklar – fristet im ästhetischen Kanon Kino nicht mehr als Dasein eines zwar offensichtlich unumgänglichen, aber eigentlich verachteten Details. Kein Kritiker käme auf die Idee, sie auch nur zu bemerken.
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"Moments of Sound and Motion"
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